"Migranten-Rap""Migranten-Rap"
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Migranten Rap (Version 2.0)

Es mußte ja irgendwann mal so kommen. Der deutsche Rap hat endlich seinen 50 Cent. Das Image vom gewalttätigen, ausländischen Gangster-Rapper, hat, in Form von Leuten wie Massiv, seine Verkörperung gefunden. Ob gestellt oder nicht, dieser Vorfall ist, mit den Angriffen auf Fler und Bushido, der Anlaß für neue Diskussionen über Gewalt im Rap und ein Roland Koch freut sich heimlich, daß er für seine Scheindebatte über kriminelle Ausländer Rückendeckung bekommt. Die Medien zeigen uns, was wir vermeintlich immer gewußt haben:
Deutschland hat zu viele kriminelle Ausländer, die sich nicht anpassen wollen und schlechtes Deutsch sprechen. "Kriminelle Ausländer" wie Josef Ackermann, von der Deutschen Bank, läßt man gerne laufen und woher die CDU Spendenmillionen herkamen, diese Antwort bleiben uns Kohl und Koch heute noch schuldig. Im Wahlkampf ist scheinbar alles erlaubt. Anfang der 90er Jahre hat die CDU schon einmal eine Asyldebatte losgetreten. Das Ergebnis waren die Anschläge von Hoyerswerda, Rostock, Mölln, Solingen, usw... Die Medien haben versucht, das schlechte Bild von "Nazi-Germany", durch Lichterketten und Aktionen für Toleranz, wieder ins gute Licht zu rücken. Ausländer waren in den Medien hauptsächlich "Opfer". Diese Zeiten sind längst vorbei. Der "Lichterkettenbonus" wurde aufgebraucht. Hat man früher Gruppen wie Advanced Chemistry und Fresh Familee, im Zuge der Toleranzwelle, noch gefördert, so werden heute, aus Profitgründen, "Gangsta Rapper" wie Massiv und Bushido aufgebaut. Hat man sich früher, durch ausländische "Toleranz-Rapper", einen Imagegewinn erhofft, so erhofft man sich heute, durch das "Gangsta-Rap" Image, einen Riesengewinn. Songs wie "Ahmet Gündüz" und "Fremd im eigenen Land", sprachen den ausländischen Jugendlichen aus der Seele. Die meisten wollten nicht als kriminell, unangepaßt und ungebildet gelten. Heute wird, von Leuten wie Fler, das letzte bißchen Gewissen im Deutschrap mit Füßen getreten, indem er sein Album "Fremd im eigenen Land" nennt. Alles aus Trotz und Provokation heraus. Ein besseres Statement hätte man für deutschen Rap heute nicht finden können. Ein überdeutscher Rapper, der mit seinem Albumtitel das Gefühl von Überfremdung transportiert und den rechten Politikern unfreiwillig Schützenhilfe leistet. "Conscious Rap" wurde damit, seitens Aggro Berlin, für tot erklärt. Die Ironie bei der Sache ist, daß Fler aus einem Umfeld kommt, wo viele Ausländer ihren Nationalstolz hochhalten, er sich in der Minderheit sieht und dann seine Deutschtümelei damit rechtfertigt. Das es auch rechte und faschistoide Tendenzen unter den „Migranten“ gibt, ist leider auch Realität, man betrachte nur die neuesten Rapvideos, wie die von
Bözemann. Noch einmal: Der Lichterkettenbonus ist weg! Der Hausbrand der türkischen Familie in Ludwigshafen weckt bei mir schlimmste Erinnerungen an die Brandanschläge in den 90er Jahren. Wenn jetzt wieder Ausländer durch die Hand von Nazis sterben, wird das von vielen Deutschen weit weniger bedauert werden, weil sie durch die Überfremdungspropaganda glauben, daß sich daß Volk einfach gegen diese "kriminellen Ausländer" wehren muß.
Die multikulturelle Gesellschaft wird für gescheitert erklärt, aber Coca Cola, McDonald´s, Nike, MTV, Sony, usw. dürfen selbstverständlich bleiben und Anglizismen werden heute "Neudeutsch" genannt. Ausländer, die einem "nützen", dürfen bleiben, die aber, welche das deutsche Volk "ausnützen", sollen abgeschoben werden. Die Menschen in der 3. Welt werden weiterhin ausgebeutet und diktatorische Regime weiter mit Waffen und Überwachungstechnologie versorgt. Der gute alte Sündenbock hat immer noch nicht ausgedient. In einem Artikel, der "Stuttgarter Zeitung", stand am 14. Januar 2008:
"Verändert hat sich in den beobachteten zwölf Jahren der Blick auf Ausländer. Tauchten sie von 1996 bis 2001 in der Mehrzahl als Opfer auf - es war die Zeit der brennenden Asylbewerber- wohnheime und Überfalle - änderte sich das seit dem 11. September 2001. Ausländer tauchennach den Anschlägen auf das World Trade Center vermehrt als Täter in der Berichterstattung auf.
Zu 31,5 Prozent sind sie Objekt der Ausländerpolitik, zu 25,3 Prozent beziehungsweise 14 Prozent sind sie beim Thema Kriminalität und Terrorismus in den Medien vertreten. So kommt die Studie zu der Kernaussage: Ausländer sind vor allem in drei Rollen präsent: als Kriminelle, als Opfer von politischer Kriminalität oder als Objekt der Ausländerpolitik. Ihr Beitrag zur wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung werde selten thematisiert." Welchen Beitrag "die Ausländer" zur Entwicklung von Hip Hop in Deutschland geleistet haben,
scheint heute auch vergessen. Als Anfang der 80er Jahre, die Rap und Breakdancewelle nach Deutschland rüberschwappte, waren es hauptsächlich Migrantenkinder, die in den Jugendhäusern gebreakt und gerappt haben. Das lag zu einem mit dem hohen Identifikationspotential zusammen, daß man einer Minderheit angehörte, die schwarze Haare und dunklere Haut hatte und alltäglich mit Rassismus konfrontiert wurde. Mit dem Durchbruch der Fantastischen Vier, wurde das Etikett "Deutsch-Rap" erfunden. Damit wurde ein Keil in die Hip Hop Szene getrieben. Mit diesem "Spaß-Rap", der vornehmlich von deutschen Jugendlichen gemacht wurde, konnten sich die meisten Migrantenkinder nicht identifizieren. Das "Deutsche" wurde in den Vordergrund gerückt, als neues Segment neben Rap aus Amerika. Deutsch-Rap war, aus der Sicht vieler Migranten, die Musik für die Kinder einer Gesellschaft, die einen nicht als Teil anerkannte und als fremd betrachtete.
Weil die deutsche Politik die Ausländer nicht integrieren wollte, haben sie diese Ablehnung umgekehrt, nach dem Motto: "Wenn ihr uns nicht wollt, wollen wir euren Deutsch-Rap nicht".
(In Frankreich, z.B., betrachten sich die meisten Einwandererkinder als Franzosen, nicht zuletzt, weil durch die Kolonialisierung, Französisch die Amtssprache wurde. Außerdem sind sie von Geburt an Franzosen. In Deutschland gilt noch immer das „Blutrecht“, man kriegt die Staatsbürgerschaft nur dann automatisch, wenn ein Elternteil deutsch ist.) Die Themen, über die meistens gerappt wurde, haben nicht das Lebensgefühl der ausländischen Jugend wiedergespiegelt. Themen wie Rassismus, Gastarbeiteralltag und Toleranz, wurden erst durch Gruppen wie Advanced Chemistry, Fresh Familee, Microphone Mafia und Islamic Force angesprochen. In den Medien gab es nun "Deutsch"- und "Multikulti-Rap", wobei der Rap, der von Deutschen gemacht wurde, bevorzugt wurde. Gruppen wie "Cartel" waren zwar sehr erfolgreich,
aber überwiegend beim türkischen Publikum. Dieser Bruch schien gefestigt, bis ein Kool Savas, ab 1999, mit deutschen Sex- und Battlereimen ein großes Publikum gewann. Savas ist zwar Türke, aber bei ihm spielt der sogenannte "Migrationshintergrund" scheinbar keine Rolle. Aber auch hier werden doch viele Vorurteile bestätigt. Mit Moses P, Afrob und den Spezialistz waren auch endlich schwarze Deutsch-Rapper in den Charts. Azad mischte 2001 die deutschen Spaß-Rapper mit seinem Track "Gegen den Strom" auf, was ihm viele Fans bei den Migranten bescherte. Berlin war immer schon anders, doch als Aggro Berlin, mit Acts wie Bushido, an Popularität gewann, sollte das die deutsche Raplandschaft nachhaltig verändern.
Bushido, Sohn einer Deutschen und eines Tunesiers, ging auf ein Internat und besuchte, bis zur 11. Klasse, das Gymnasium. In seinen Texten stellt er sich als der harte Gangster-Rapper dar, welcher auf Bildung scheißt und "nie ein schwuler Student" war. Auch wenn er mittlerweile in einer teuren Villa wohnt und bei der "Bravo"-Kampagne "Gegen Gewalt an Schulen" beteiligt war, hält er das falsche Image eines Straßenrappers aufrecht, der anderen Mitschülern schon mal auf die "Brille boxt".
B-Tight wußte mit seinem "Neger"-Image zu schocken und setzte mit seinem "Neger Neger" Album noch einen drauf. Dabei geschah das als marketingstrategischer Tabubruch und nicht als Provokation, um auf den Rassismus hinzuweisen. Hier werden eher die Klischees bekräftigt und das Wort "Neger" wieder salonfähig gemacht. "Wenn der das darf, dürfen wir das auch", könnte eine Rechtfertigung von Rassisten sein. Die andere Seite wäre der Positivrassismus, welcher, von den überwiegend deutschen Hörern, unterstützt wird. Der gesetzlose, muskulöse, sexuell überlegene Ausländer, der die Phantasien des verklemmten, deutschen Raphörers auslebt. Der harte "Kanacke", der als deutsches Modell des amerikanischen "Gangsta-Rap" gilt. Das Ghettoimage als Verkaufsgarant. Das deutsche Publikum, welches die Musik fleißig kauft und die "Ausländer"
bewundert, hilft somit den Rassismus weiter zu schüren, indem sie die Darstellung des "kriminellen Ausländers" unterstützt. Die Plattenfirmen verdienen sehr gut und heizen die Stimmung mit
inszenierten Rapperkriegen weiter an; d.h. mit rassistischen Klischees wird viel Geld verdient, auch wenn das Bild jetzt "positiv" ist. Provokant gesagt: die "Bimbos" hauen sich die Köpfe ein und das deutsche Publikum lacht und hat seinen Spaß. Die Promoter sahnen fett ab. Viele Rapper mit Migrations-
hintergrund, versuchen auf den "Gangster-Rap"-Zug mitaufzuspringen, da sie darin eine Möglichkeit sehen, schnell erfolgreich zu werden. Auch wenn sie höchstens kleinkriminell sind, wird auf die vermeintliche Authenzität und das "Ghetto"-dasein verwiesen. Da man keine ausreichende Bildung hat, um im Wirtschaftsleben viel Geld zu verdienen, wird auf das Kapital gesetzt, daß man hat: Das Image vom harten, kriminellen "Ghettokanacken", der gewaltveherrlichende Texte rappt.
Damit laufen sie aber in eine Falle. Genau dieses Image bestätigt vorhandene Vorurteile und schürt den Fremdenhass. Kriminelle Politiker wittern ihre Chance und heizen die Stimmung, mit
heuchlerischen Debatten über "kriminelle Ausländer", an. Die Medien leisten ihnen dabei Schützenhilfe. Jedes "Gangsta-Rap" Video und jede Schlagzeile festigt die Vorurteile. Viele deutsche Eltern haben Angst, daß ihr Kind Opfer von "Ausländergewalt" wird. Der Ruf nach härteren Gesetzen und mehr Kontrolle wird laut. Ein weiterer Schritt in Richtung Polizeistaat. Als in Frankreich die "Ghettos" brannten, hat man hier versucht, den Vorfall an der Rütli Schule
aufzubauschen. Erst die Jugend der Gewalt in Fernsehserien, in Computerspielen, Filmen, Musikvideos, usw. aussetzen, dabei kräftig verdienen und sich dann über kriminelle Jugendliche wundern. Wer, wenn nicht die Politiker erlauben, per Gesetz, die Verbreitung von medialer Gewalt.
Wer läßt sich von der Medienlobby kräftig hofieren und bezahlen, daß bestimmte Gesetze gemacht werden. Unsere allseits empörte "BILD"-Zeitung hat 2006 die Autobiographie von 50 Cent und seiner kriminellen Vergangenheit abgedruckt. Dabei hat sie gut verdient und das Klischee vom kriminellen Schwarzen gefestigt.
Ist man nicht in Wirklichkeit froh drüber, daß man diese "Figuren" für seine medialen und politischen "Schachzüge" gebrauchen kann?
Diese Frage lasse ich zum Abschluß mal im Raum stehen.
Als Literaturtip kann euch ich das Buch "FEAR OF A KANAK PLANET - Hip Hop zwischen Weltkultur und Nazi-Rap" von Hannes Loh und Murat Güngör wärmstens empfehlen.

Artikel: Graf Zahl - grafzahl5.de , myspace.com/grafzahl5

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